Fledermausbotschafterin Martina Brand hatte beim Info-Abend Focus Quelle nicht nur hochinteressante Fakten und Erlebnisse im Gepäck, sondern auch zwei krakeelende Fledermaus-Halbstarke

Quelle. Welch wilde Fantasien und Erzählungen ranken sich um Fledermäuse: Sie kommen lautlos wie Vampire in der Dämmerung und der Nacht, sind blutgierig, beißen zu und verschwinden ebenso lautlos, wie sie gekommen sind. Oder sie fallen durchs offene Fenster in Wohnungen ein, sausen um die Küchenlampe, machen Dreck und können sich zur Plage entwickeln. – Alles Unsinn.

Den Beweis trat Martina Brand, nach eigenen Worten „Fledermaus-verrückt“, beim Infoabend „Focus Quelle“ der Queller Gemeinschaft wort- und kenntnisreich an. Brand ist vom Nabu ausgebildete Fledermausbotschafterin und kennt sich mit den Königinnen der Nacht bestens aus, denn im Laufe ihrer Arbeit hat sie in den vergangenen zehn Jahren rund 200 Tiere aufgepäppelt und gesund gepflegt.

Sie wusste Erstaunliches zu berichten: Die Säugetiere – die im übrigen nichts mit Mäusen gemein haben – sind völlig harmlos, vertilgen bis zu 2.000 Mücken täglich bei ihren Flugrunden, sie ziehen ihre Jungen in so genannten Wochenstuben ohne männliche Hilfe auf, die Weibchen zeigen sich standorttreu und sind friedfertig untereinander. Auch wenn es sich um verschiedene Arten handelt, von denen es ca. 25 in Deutschland gibt. Eine weitere wunderbare Eigenschaft zeichnet die kleinen Insekten-Jäger aus: Sie verfügen über hohe Selbstheilungskräfte. Und wenn die nicht ausreichen, und Martina Brand geschwächte oder verletzte Tiere in die Hand bekommt, dann wird mit modernen Medikamenten nachgeholfen. Denn wenn die Flügelhäute der überaus reinlichen Tierchen beschädigt sind, dann ist ein Leben in freier Natur unmöglich. Bleiben Fledermäuse gesund, können sie geschätzt bis zu 20 Jahre alt werden. All das ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass die Fledermausbestände in den Siebzigern zu 80 Prozent durch den Einsatz von hochgiftigen Pestiziden in der Landwirtschaft eingebrochen waren. Aktuell leiden die kleinen Flugkünstler ebenso wie wir Menschen unter den Folgen des Klimawandels.

Manche Exemplare (wohl männliche) fliegen von hier über die Alpen bis nach Italien und auf den Balkan.

Natürliche Feinde haben die Königinnen der Nacht auch: Vor allem Katzen und Krähen. Und leider auch den Menschen. So haben Energie sparende Umbauten den Tieren mehr und mehr den Zugang zu Dachböden und Scheunen versperrt. Häufig werden auch Bäume oder gleich ganze Wäldchen gefällt in denen die Tiere tagsüber abhängen. Damit werden auch Überwinterungsquartiere zunehmend weniger. Ein überlebenswichtiges Problem.

Wer helfen möchte, den Fortbestand der Fledermäuse zu sichern, der kann einen Fledermauskasten aufhängen. Erhältlich sind sie bis Mitte September für zehn Euro im Naturbad Quelle, wo Kinder sie zusammen mit den Fledermaus-Schützern zusammenbauen.

Wer nach diesen Zeilen mehr über Fledermäuse in unseren Breiten wissen möchte, der kann Martina Brand buchen. Empfehlenswert besonders auch für (Grund-)Schulen und Kitas.

Man kann sie anschreiben unter martinabrand62@googlemail.com

(Tom Hagen)